Moderner Führungsstil – Wie führen Sie ein Unternehmen im Jahr 2022?

Von klassisch bis modern – Welcher Führungsstil eignet sich für Ihr Unternehmen im Jahr 2022?

Der Umsatz Ihres Unternehmens könnte besser sein? Die Personalgewinnung und Mitarbeiterzufriedenheit ebenfalls? Und was würden Sie dafür geben, einmal ausschlafen zu können und sich nicht nur rund um die Uhr um Ihr Unternehmen kümmern zu müssen?

Jede geschäftsführende Person fragt sich früher oder später: „Welcher Führungsstil eignet sich am besten für mein Unternehmen in der heutigen Zeit?“ Für viele Führungskräfte steht fest: Es soll auf jeden Fall ein zeitgemäßer und moderner Führungsstil sein.

Daher stellen wir in diesem Artikel vier beliebte und erfolgreiche moderne Führungsstile vor. Um sie besser verstehen zu können, ist es wichtig, sich vorab die „Klassiker“ zu vergegenwärtigen.

Inhalt

  • Exkurs: Tradierende und klassische Führungsstile
    • Tradierende Führungsstile
    • Klassische Führungsstile
  • Welche Charakteristika machen den modernen Führungsstil aus?
  • Vier beliebte und erfolgreiche moderne Führungsstile
    • Agiler Führungsstil
    • Transformationaler Führungsstil
    • Situativer Führungsstil
    • Digitaler Führungsstil
  • Welcher Führungsstil passt zu Ihrem Unternehmen?
    • Kriterien für die Wahl des Führungsstils
    • Wahl Ihres Führungsstils in der Praxis
  • Moderner Führungsstil – Unser Fazit

Exkurs: Tradierende und klassische Führungsstile

Psychologen und Soziologen beschäftigten sich schon früh mit der Frage nach dem richtigen Führungsstil.

Tradierende Führungsstile

Der Soziologe Max Weber veröffentlichte bereits 1922 in seinem Buch „Wirtschaft und Gesellschaft“ folgende tradierenden Führungsstile:

  • Autokratischer Führungsstil: Die Entscheidungsfindung geht von der Führungskraft aus, Mitarbeitende werden nicht nach ihrer Meinung gefragt.
  • Patriarchalischer Führungsstil: Diese Art von Führung ähnelt dem autokratischen Führungsstil. Der Unterschied liegt darin, dass die Führungskraft sich verantwortlich für ihre Mitarbeiter sieht.
  • Bürokratischer Führungsstil: Sowohl die führende Person als auch die Mitarbeitenden müssen sich an eindeutige Arbeitsstrukturen halten und Regeln befolgen. Die Führungskraft setzt diese Rahmenbedingungen nicht selbst fest. Sie wird nach einer gewissen Zeit wieder abgelöst.
  • Charismatischer Führungsstil: Voraussetzung für diesen Stil sind bestimmte Charaktereigenschaften der Führungsperson. So muss die Führungskraft selbstsicher und kommunikativ sein, motivieren und überzeugen können. Die Mitarbeitenden folgen aufgrund dieser Charaktereigenschaften freiwillig der Führung und entwickeln selbst kreative Ideen nach dem Vorbild der Führungsperson.

Klassische Führungsstile

Im Jahr 1939 definierte der Sozialpsychologe Kurt Lewin folgende klassische Führungsstile:

  • Autoritärer Führungsstil: Die Entscheidungsfindung geht von der Führungskraft aus, Mitarbeitende werden nicht nach ihrer Meinung gefragt.
  • Kooperativer Führungsstil: Führungsverantwortliche und Mitarbeitende fungieren als Team von der Idee bis zur Entscheidungsfindung. Von der Führung zugewiesene Aufgaben sollen eigenverantwortlich erledigt werden.
  • Laissez-faire Führungsstil: Die Führungskraft gibt nur Ziele vor. Es bleibt jedoch offen, wie sie zu erreichen sind.

Während Weber vor allem untersuchte, warum sich Menschen beherrschen lassen, ging Lewin der Frage nach, wie sich die unterschiedlichen Führungsstile auf eine Gruppe auswirkten. Beide erkannten, dass falsche Führungsstile zu negativen Effekten führen. So sinkt beispielsweise die Motivation der Mitarbeitenden und das Betriebsklima verschlechtert sich.

Ordnet man die sieben oben genannten Führungsstile nach den Aspekten „Kontrolle der Führungskraft“ und „Freiheiten der Mitarbeitenden“, so ergibt sich folgende Grafik:

Moderner Führungsstil Übersicht

Welche Charakteristika machen den modernen Führungsstil aus?

Im Vergleich zu den klassischen oder tradierenden Führungsstilen ist die Einordnung der modernen Stile nicht ganz so einfach. Es gibt keine allgemein anerkannte Liste über moderne Führungsstile, sie werden teilweise unterschiedlich bezeichnet. Außerdem sind die Übergänge zwischen manchen modernen Führungsstilen fließend, wobei bestimmte Aspekte jeweils aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden.

Es lassen sich trotzdem einige Gemeinsamkeiten moderner Führungsstile herausarbeiten. So darf der Begriff „New Leadership“ nicht unerwähnt bleiben, wenn wir von moderner Führung sprechen. Die Führung basiert bei diesem Prinzip auf Vertrauen und Wertschätzung zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden. Dadurch sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motivierter, kreativer und selbstbewusster. Ein weiterer positiver Effekt: Durch das eigenverantwortliche Handeln der Mitarbeitenden wird die Führungskraft entlastet.

Vier beliebte und erfolgreiche moderne Führungsstile

Wir stellen nun einige moderne Führungsstile vor, die heute oft und erfolgreich praktiziert werden.

Agiler Führungsstil

„Agilität ist die Gewandtheit, Wendigkeit oder Beweglichkeit von Organisationen und Personen bzw. in Strukturen und Prozessen. Man reagiert flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse und neue Anforderungen. Man ist, etwa in Bezug auf Veränderungen, nicht nur reaktiv, sondern auch proaktiv“ (Quelle: Gabler Wirtschaftslexikon).

Führungskräfte fungieren bei diesem Führungsstil als eine Art Coach:

  • Sie definieren die Unternehmensstruktur und die Ziele des Unternehmens.
  • Sie leben die Werte des Unternehmens vor.
  • Sie übertragen die Verantwortung für Projekte auf das Personal.
  • Sie sind für ihr Team da, um beispielsweise Ideen konstruktiv zu diskutieren.

Vorteile des agilen Führungsstils:

  • Durch eine hohe Flexibilität ist eine schnelle Anpassung an veränderte Gegebenheiten möglich.
  • Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden sowie eine gelebte offene Fehler- und Feedbackkultur sorgen für Transparenz im Unternehmen.

Nachteile des agilen Führungsstils:

  • Vom Personal wird ein hohes Maß an Eigenverantwortung erwartet.
  • Die Kommunikation ist zeitaufwändig.

Transformationaler Führungsstil

Dire sogenannte „Transformationale Führung“ kommt vom Wort Transformieren (transformare – umgestalten, umformen). Das bedeutet soviel, dass die Geführten Ihre Einstellung im Sinne des Unternehmens nachhaltig verändern und in Richtung langfristiger Ziele tätig sind.

Nach diesem Konzept von Bernard M. Bass aus dem Jahr 1985 sollen Führungskräfte

  • Vorbild für die Mitarbeitenden sein,
  • das Personal inspirieren und motivieren,
  • intellektuell anregen und
  • die Mitarbeitenden individuell fördern.

Der transformationale Führungsstil hat sich im dynamischen Umfeld sehr bewährt. Bei diesem Stil soll sich die führende Person vor allem mit Führungsaufgaben beschäftigen. Je mehr sich die Führungskraft um das operative Geschäft kümmert, desto schwieriger ist die transformationale Führung zu realisieren.

Nachteile des transformationalen Führungsstils:

  • Da transformationale Führung auf Werten beruht, kann es schwierig werden, wenn die Anschauungen zwischen der Führungskraft und den Mitarbeitenden oder zwischen den einzelnen Mitarbeitenden weit auseinanderklaffen.
  • Die transformationale Führung ist ein herausfordernder Führungsstil, den die meisten Führungskräfte vor allem am Anfang nicht aus dem Stegreif umsetzen können. Sie müssen hierzu meistens noch die eine oder andere Kompetenz, beispielsweise durch Schulungen, erwerben.

Vorteile des transformationalen Führungsstils:

  • Die Kreativität der Mitarbeiter wird gefördert.
  • Durch die transformationale Führung wachsen die Einsatzbereitschaft, das Selbstvertrauen und die Zufriedenheit der Mitarbeiter.

Situativer Führungsstil

Das situative Führungsmodell nach Ken Blanchard und Paul Hersey beruht auf der Erkenntnis, dass es den idealen Führungsstil nicht gibt. Obwohl diese Theorie bereits 1969 publiziert wurde, hat sie in der heutigen Zeit nichts an ihrer Aktualität eingebüßt.

Beim situativen Führen wird der Führungsstil nach dem sogenannten Reifegrad des Mitarbeiters gewählt. Die Autoren definieren vier Reifegrade und vier hierzu passende Führungsstile, die in folgender Tabelle dargestellt sind:

ReifegradBeschreibung des ReifegradesEmpfohlener Führungsstil
1

Geringer Reifegrad

Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter ist weder fähig noch motiviert, eine bestimmte Aufgabe zu lösen.

Anweisen

Geben Sie Anweisungen und überwachen Sie streng die Ausführung und das Ergebnis.

2

Mittlerer Reifegrad

Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter ist nicht fähig, eine anstehende Aufgabe zu lösen. Sie oder er ist jedoch motiviert und willens, dies zu tun.

Argumentieren

Erklären Sie Anweisungen und Entscheidungen genau. Geben Sie Gelegenheit für Fragen.

3

Höherer Reifegrad

Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter ist fähig, eine gestellte Aufgabe zu lösen, aber sie oder er ist nicht motiviert.

Partizipieren

Teilen Sie Ideen und ermutigen Sie Entscheidungen zu treffen.

4

Sehr hoher Reifegrad

Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter ist sowohl fähig als auch motiviert, eine ihr oder ihm aufgetragene Aufgabe zu lösen.

Delegieren

Übergeben Sie die Verantwortung zur Entscheidungsfindung und Durchführung.

Außerdem unterscheiden Ken Blanchard und Paul Hersey zwischen personenbezogenem und aufgabenorientiertem Führen:

  • Beim aufgabenorientierten Führen steht die Erledigung der Aufgabe im Fokus.
  • Beim personenbezogenen Führen ist die mitarbeitende Person im Vordergrund, die durch die Wertschätzung und das Feedback der Führungskraft gefördert wird.

Je höher der Reifegrad der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters in Bezug auf eine Aufgabe ist, desto stärker lässt sich die Aufgabenorientierung reduzieren und desto mehr kann man die Beziehungsorientierung verstärken.

Vorteile des situativen Führungsstils:

  • Individuelle und gezielte Führung und Förderung der Mitarbeitenden werden gelebt.
  • Mitarbeitende fühlen sich von Führungskräften ernst genommen.
  • Produktivität wird durch die situationsbezogene Führung gesteigert.
  • Durch die Flexibilität des situativen Führungsstils ist die Anpassung an unterschiedliche Situationen möglich.

Nachteile des situativen Führungsstils:

  • Führungskräfte müssen die einzelnen Mitarbeitenden in Bezug auf ihren Reifegrad richtig einschätzen können, um jeweils richtig führen zu können.
  • Führungskräfte müssen die unterschiedlichen Arten des situativen Führens sehr sicher beherrschen, um in kurzer Zeit zwischen ihnen wechseln zu können.
  • Mitarbeitende könnten durch falsche Führung in bestimmten Situationen schnell verunsichert oder demotiviert werden.

Digitaler Führungsstil

In Zeiten der Digitalisierung, Globalisierung und Remote Work darf der digitale Führungsstil in unserer Beschreibung der modernen Führungsstile nicht fehlen. Damit dieser Führungsstil funktioniert, sind eine gute Struktur und eine klare Kommunikation wichtig. Die Mitarbeitenden müssen ihre Aufgaben genau kennen. Diese sollen in regelmäßig stattfindenden virtuellen Meetings genau besprochen werden.

Vorteile des digitalen Führungsstils:

  • Ortsunabhängiges, flexibles Arbeiten wird gelebt.
  • Das Unternehmen wird für überregionale Bewerberinnen und Bewerber attraktiv. Dadurch vergrößert sich der Talentpool des Unternehmens.
  • Kosten wie zum Beispiel Reisekosten, Miete, Energiekosten können gespart werden.

Nachteile des digitalen Führungsstils:

  • Durch starke Abhängigkeit von der Technik ist die Produktivität des Unternehmens bei Störungen (Stromausfall, schlechte Internetverbindung, etc.) stark beeinträchtigt.
  • Faktor „menschliche Nähe“ bleibt möglicherweise eher auf der Strecke als bei eher klassisch geführten Unternehmen, da man sich vor allem am Bildschirm begegnet.
  • Erbrachte Arbeitsleistung ist unter Umständen schwer messbar.

Welcher Führungsstil passt zu Ihrem Unternehmen?

Kriterien für die Wahl des Führungsstils

Bei der Wahl des Führungsstils spielen immer drei Aspekte eine entscheidende Rolle:

  • die führende Person,
  • die Mitarbeitenden und
  • die Unternehmenskultur.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Viele mittelständische Unternehmen in Deutschland werden patriarchalisch geführt. Möchte die Führungskraft zum Beispiel für mehr Innovation in ihrem Unternehmen sorgen, stellt sich die Frage, wie viel mehr an Freiheit sie durch die Änderung ihres Führungsstils den Mitarbeitenden einräumen soll, ohne die Unternehmenskultur aus den Augen zu verlieren.

Wahl Ihres modernen Führungsstils in der Praxis

Zwei beruhigende Sätze vorab: Gute Führung ist ein dynamischer und kreativer Prozess. Und es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Daher atmen Sie auf und geben Sie sich Zeit, den richtigen Führungsstil für Ihr Unternehmen zu finden. Folgende Tipps können dabei helfen:

  • Definieren Sie Ihre Erwartungen an sich selbst, Ihr Personal und Ihr Unternehmen. Wo wollen Sie in einem, in fünf, in zehn Jahren stehen?
  • Beziehen Sie die Erfahrungen aus Ihrem Praxisalltag ein: Was lief gut? Wo gibt es Verbesserungspotential?
  • Beschäftigen Sie sich mit Ihren Stärken, aber auch mit Ihren Schwächen.
  • Wechseln Sie die Perspektive: Sind Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Ihrer bisherigen Führung eher zufrieden oder eher unzufrieden? Was wünschen sie sich von Ihnen?

Nach dieser Analyse haben Sie idealerweise Ihren bevorzugten Führungsstil für Ihr Unternehmen definiert. Nun geht es ans Üben:

  • Integrieren Sie den von Ihnen favorisierten Führungsstil in Ihrem Praxisalltag.
  • Besuchen Sie bei Bedarf praxisbezogene Trainings oder lassen Sie sich von einem guten Coach auf dem Weg zur optimalen Führung Ihres Unternehmens begleiten.

Moderner Führungsstil – Unser Fazit

Bei der Suche nach dem richtigen Führungsstil ist es wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein. Es geht nicht darum, einen theoretischen, im Lehrbuch schön klingenden Führungsstil, zu kopieren, der nicht zu Ihnen passt. Bleiben Sie authentisch. Denn nur dann nehmen die Mitarbeitenden Sie ernst und nur dann kann Ihr Unternehmen wirklich erfolgreich sein.

Moderner Führungsstil - FAQs

Häufig gestellte Fragen

Bei der Wahl des Führungsstils spielen immer drei Aspekte eine entscheidende Rolle:

  • die führende Person,
  • die Mitarbeitenden und
  • die Unternehmenskultur

Gute Führung ist ein dynamischer und kreativer Prozess. Geben Sie sich Zeit, den richtigen Führungsstil für Ihr Unternehmen zu finden.

 Die Führung basiert auf Vertrauen und Wertschätzung zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden. Dadurch sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motivierter, kreativer und selbstbewusster. Ein weiterer positiver Effekt: Durch das eigenverantwortliche Handeln der Mitarbeitenden wird die Führungskraft entlastet.

Es existiert eine Vielzahl an modernen Führungsstilen. Hier bieten wir Ihnen eine Auflistung der wichtigsten: 

  • Agiler Führungsstil
  • Transformationaler Führungsstil
  • Situativer Führungsstil
  • Digitaler Führungsstil

Inhaltsverzeichnis

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Unsere Vision:

Über 10.000+ mittelständischen Unternehmen dabei zu helfen, die richtigen Mitarbeiter zu finden.

Wir wollen Ihnen dabei helfen mehr am Unternehmen, statt im Unternehmen zu arbeiten, neue Arbeitsplätze zu schaffen und mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben zu haben.
Wie ein Abendessen mit der Familie und ein Familienurlaub, ohne dass das Handy ständig klingelt.

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